Kosmicheskiy Oktyabr` – Kosmischer Oktober, Teil1

Der Oktober hatte es raumfahrtmäßig in sich. Zwei Termine standen auf dem Programm. Eigentlich ja drei. Aber zwei Termine wurden in einem Kurztrip nach Holland zusammengefasst. Währen dieses Aufenthaltes wollte ich die Space Expo und  den Open Day des ESTEC in Noordwijk besuchen.
Nach zwei Tagen der Aklimatisation in Leiden und Amsterdam ging es samstags in die Space Expo. Die Space Expo war bei ihrer Eröffnung die erste große Raumfahrtausstellung in Europa. Außerdem ist sie das Besucherzentrum der ESA in Noordwijk.
Die Ausstellungsfläche ist ein gutes Stück kleiner als die Ausstellung in Speyer, aber nicht minder interessant. An einigen Stationen kann man verschiedene Dinge mit Raumfahrtbezug ausprobieren, wie zum Beispiel ein Schwungrad, mit dem die Funktionsweise der Satellitenstabilisation mit Gyros erklärt wird. Oder die Station , an der man einen „Satelliten“ mit Steuerdüsen auf drei verschiedene Positionen ausrichten kann. Der Satellit hat eine LED mit der ein Fotosensor aktiviert werden kann. Schafft man es lange genug den Satelliten „auf Position“ zu halten, dann leuchtet eine rote LED auf. Vieles ist auf Kinder ausgelegt und animiert zum Ausprobieren. Aber auch für Erwachsene sind viele Dinge interessant.
Mehr als das interessierten mich aber die Ausstellungstücke und Modelle von Satelliten und Raumsonden, die zum Teil an der Decken hingen, wie Hipparcos, Ulysses und Olympus, und natürlich die ausgestellte Kapsel von Sojus TMA-03M, mit welcher der niederländische Astronaut Andrè Kuipers zur ISS geflogen ist.

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Das Highlight für mich persönlich war allerdings die Antriebssektion der Ariane 1 mit den 4 Viking-Triebwerken! Absolut faszinierend den Aufbau des Schubgestells mit den vier Triebwerken, den Turbopumpen und Gasgeneratoren zu sehen.

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Als Konstrukteur hatte ich zwar eine Vorstellung von den Dimensionen, daneben zu stehen war dann aber eine ganz andere Erfahrung. Ja, ich war überwältigt und fasziniert zugleich.
Was mir auch sehr gefiel war das Modell der Raumsonde Giotto, die sich 1986 bis auf 596 km dem Kometen Halley näherte. Man konnte sich den inneren Aufbau der Sonde ansehen.

 

Zur Raumsonde Giotto habe ich ein besonderes Verhältnis. Es war die erste Raumfahrtmission, die ich seinerzeit live am Fernsehen mitverfolgte, bis zu dem Zeitpunkt spät in der Nacht, an dem die ersten Falschfarbenbilder des Kometenkerns auf der Erde empfangen wurden und im Fernsehen gezeigt wurden.
Weitere Ausstellungsstücke waren ein Model des Swesda-Moduls der ISS, sowie eines Vulcain-Triebwerks der Ariane 5. Leider sind im Svesda-Modul viele Blenden ohne die unzähligen Schalter, so dass man sich keine Vorstellung davon machen kann, was da alles an Technik und Elektronik in den Racks steckt (Wir Freaks wissen das natürlich). Betätigt man allerdings die Kippschalter  die vorhanden sind, leuchtet am Paneel tatsächlich die entsprechende LED. Das wiederum fand ich ziemlich cool!

Ich bin großer Fan von geflogener Hardware, überhaupt von Hardware, die ausgestellt wird. Im Grunde ist es doch das was wir auch sehen wollen! Überrascht war ich jedoch, dass es in der SpaceExpo eine Rückkehrkapsel eines russischen Spionagesatelliten zu bestaunen gibt.
Genauer gesagt handelt es sich um die Kapsel von Resurs F1-14F43, eine unbemannte Kapsel eines Aufklärungssatelliten, der 1988 von Plesetsk aus ins All gestartet wurde, als Mission „für wissenschaftliche Forschung und Erdbeobachtung“, ein während des Kalten Krieges gängiges Synonym für Spionageaktivitäten.

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In der Space Expo hatte ich eine tolle Zeit. Ich werde sie auf jeden Fall noch einmal besuchen und nochmal etwas mehr Zeit zwischen den Exponaten verbringen. Natürlich wird dann auch wieder Mark Onebravo dabei sein. Wenn ihr genau hingesehen habt, dann habt ihr ihn auf einigen Bildern erkannt.

 

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Hallo. Ich bin der Ande, und ich baue Modellraketen

„Ich baue Raketenmodelle und lasse sie fliegen.“
So in etwa antworte ich auf die Frage, welches Hobby ich ausübe.
Die Reaktion ist oft die gleiche. Mit einem Gesichtsausdruck der Verwunderung und Belustigung ausdrückt, wird nachgefragt: „Wie, du baust Raketen? Fliegen die bis in den Weltraum?“
Ich bleibe dann ruhig und erkläre kurz, was ich da eigentlich mache. Bemerke ich echtes Interesse bei meinem gegenüber, dann erkläre ich es auch schon einmal näher. Der Freak ist man trotzdem, selbst unter den Modellbauern.
Ich hab das im Alter von 15, 16 Jahren schon einmal angefangen. Damals schon hatte ich ein großes Interesse an allem was mit Raumfahrt zu tun hatte, und das Bauen von Modellraketen hatte irgendwie auch etwas Romantisches an sich, quasi wie zu den Zeiten eines Herrmann Oberths und des “Vereins für Raumschifffahrt“. Ich habe meistens die damals erhältlichen Fertigbausätze gebaut, wie sie von einem Versandhandel aus Nürnberg verkauft wurden. Flugtage waren immer Samstag und Sonntag, da unter der Woche durch die Tiefflugtätigkeit der NATO-Luftstreitkräfte über dem Saarland ein Steigenlassen zu gefährlich war. Ich wollte schließlich keine internationalen Krisen auslösen.
Ich habe jedoch schnell bemerkt, dass man in Deutschland gesetzgeberseitig extrem eingeschränkt wird, was dieses Hobby angeht! Freiverkäufliche Treibsätze sind nur bis zu einer Treibstoffmasse von max. 20 g erhältlich, das Bündeln von Treibsätzen war verboten, es sei denn, man wartete bis man 21 Jahre alt war, um dann beim Gewerbeaufsichtsamt (!) die Erteilung der Erlaubnis nach Paragraph Bliblablubb des Sprengstoffgesetzes zu beantragen. Vorausgesetzt, man war in einem Verein, hat einen Kurs besucht UND konnte die Notwendigkeit der Erlangung der Erlaubnis begründen. Und so weiter und so weiter.
Ich hab dann das Interesse irgendwann verloren und dieses Hobby fast 30 Jahre lang nicht mehr ausgeübt.
Vor zwei Jahren packte mich dann wieder die Lust am Bauen und steigen lassen. Obwohl durch die „Drohnenverordnung“ vom Gesetzgeber eine weitere Einschränkung hinzukam: eine Höhenbegrenzung auf 100 m! ( Ein Dank dafür an die ganzen Vollidioten, die mit ihren Drohnen in der Nähe von Flughäfen Flugzeuge und deren Insassen gefährdet haben, und deren hirnlosen Verhalten zum Beispiel jetzt auch die Modellflugzeugpiloten zu leiden haben.)
Ich übe dieses Hobby also wieder aus. Mein Schwerpunkt liegt jetzt nicht mehr darin eine bestimmte Höhe zu erreichen, sondern besondere Sorgfalt beim Bau walten zu lassen.
Für Modellraketen gelten die gleichen physikalischen Gesetzmäßigkeiten, wie für „die echten“ Raketen, wie sie Roskosmos, ULA oder SpaceX baut.
Steigen lasse ich die Raketen natürlich noch, und wenn sie dann stabil fliegt und heil an ihrem Fallschirm wieder nach unten kommt, dann bin ich zufrieden.
Aber wie genau sieht so eine Modellrakete eigentlich aus?
Eine Modellrakete besteht im Wesentlichen aus einem Papprohr mit an einem Ende aufgesetzter Raketenspitze. Am anderen Ende befinden sich die Flossen (Fins), entweder 3 oder 4. Drei müssen es mindestens sein, damit die Rakete stabil fliegt, mehr als vier ist technisch unnötig! Außerdem ist an diesem Ende auch die Motorhalterung für den Treibsatz im Rohr montiert. Raketenspitze und Raketenrohr sind mit einem Seil miteinander verbunden. Daran ist auch der Fallschirm befestigt.

Model Rockets
Bildquelle: www.grc.nasa.gov

Der Fallschirm wird gefaltet in das Rohr gesteckt. Zwischen dem Fallschirm und dem Treibsatz befindet sich sogenannte Schutzwatte. Sie soll verhindern, dass der Fallschirm versengt wird, wenn die Ausstoßladung des Treibsatzes zündet. (Siehe Abbildung).
Die freiverkäuflichen Treibsätze sind Einwegartikel und müssen für einen weiteren Flug ausgetauscht werden, wenn sie einmalabgebrannt sind. Als Treibstoff dient Schießpulver bzw. mittlerweile auch andere Treibstoffmischungen.
Wie läuft so ein Flug ab?
Wenn der Treibsatz gezündet wurde, entweder mit einer Zündschnur oder einem elektrischen Zünder, hebt die Rakete ab und beginnt ihren Flug. Ist die Treibladung im Treibsatz verbrannt, dann beginnt eine Verzögerungsladung zu brennen. Diese ist notwendig, damit der Fallschirm am (idealerweise) Gipfelpunkt der Flugbahn ausgestoßen wird, und nicht während des rasanten Aufstieges. Das könnte den Fallschirm zerstören. Ich persönlich bevorzuge ein Ausstoßen des Fallschirmes, wenn sich die Rakete bereits wieder auf dem Weg nach unten befindet. Das hat den Vorteil, dass die Rakete nicht so lange am Fallschirm hängt. Das hat den Vorteil, dass die Rakete nicht so lange am Fallschirm hängt und vom Wind nicht so weit abgetrieben werden kann.
Also, wie bereits erwähnt, brennt nach Brennschluss eine Verzögerungsladung (entweder 3,5 oder 7 Sekunden lang). Dann zündet eine kleine Menge Schießpulver, die Ausstoßladung, und der dadurch entstehende Überdruck im Raketenrohr stößt die Raketenspitze mit dem daran befindlichen Fallschirm aus.
Wenn der Fallschirm sich dann noch öffnet, schwebt die Rakete sanft zu Boden.
Hin und wieder haben meine Raketen eine „Nutzlast“ an Bord. Eine Mini-Digitalkamera oder einen kleinen Bordcomputer, der die erreichte Höhe, die Beschleunigung; Flugzeit, etc. aufzeichnet. Aber eigentlich macht das bei der Höhenbeschränkung von 100 m nicht wirklich mehr Sinn. Aber ich habe die Dinger halt, und dann kann ich sie ab und zu auch benutzen.
Wenn man anstatt Fertigausätzen eigen Designs baut, oder Scale-Modelle baut also Raketen, die ein reales Vorbild haben), dann kann man schon einmal einen Misserfolg haben. Einen Absturz, weil man die Lage von Druck- und Schwerpunkt falsch ausgelegt hat, oder man hat die Fallschirmbefestigung schlecht ausgeführt, und so weiter. Bei meinem aktuellen Projekt, einen Scale-Modell der EUROPA-Rakete der Urmutter der der ESA, ELDO, gab bisher nur Rückschläge. Drei Flüge, drei Rückschläge. Ganz ähnlich, wie bei dem Original. Der letzte Absturz hat das Modell jetzt so schwer beschädigt, dass verschieden Teile komplett neu gefertigt werden müssen.

Europa
Die selbstgefertigte Balsaspitze ist stark beschädigt, das Körperrohr der 2. Stufe deformiert. Die 2. Stufe muss komplett neu gefertigt werden, die leichten Beschädigungen der 1. Stufe sind reparabel
Bildquelle: privat

Manchmal kommt es auch vor, dass Raketen auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Meist in der Vegetation. Wenn sie in Hecken oder Baumgruppen niedergehen, kann es vorkommen, dass man sie, trotz Lackierung in Signalfarbe, nicht mehr findet. Das ist dann besonders ärgerlich, weil ich hochwertige Nylonfallschirme benutze, die dann ebenfalls abgeschrieben werden müssen. Aber das gehört dazu.
Ich muss zugeben, dass das Fliegen lassen der Rakete gar nicht so sehr das ist was mich reizt. Nicht mehr (Dank dieser rigorosen Gesetzgebung). Das bauen ist es, das Spaß macht. Man muss genau und sorgfältig arbeiten, wenn das Ergebnis am Ende gut sein soll. Man kann gut dabei abschalten, nach einem stressigen Tag herunterfahren. Und das ist es auch, worauf es mir derzeit ankommt. Das Fliegenlassen ist dann quasi der Bonus.
Für eventuelle Schlechtwetterphasen während des Sommers, bzw. für die Wintermonate stehen nicht nur die Reparatur der EUROPA an, sondern auch noch ein paar andere Projekte, nicht nur im Raketenmodellbau.
2019 wird ein Modellbaujahr werden.

Veränderung

Ab Juli ist es dann soweit! Dann bin ich bin alleinerziehend!
Ok. So ganz kann ich mit den vielen Alleinerziehenden nicht mithalten, denn mein Sohn ist siebzehn Jahre alt. Die größte Last des Alleinerziehendseins trug seit der Trennung meine Ex-Frau.
Die beiden allerdings, mein Sohn und meine Ex-Frau kommen nicht mehr miteinander aus.
Ausgerechnet jetzt, muss man sagen. Der Eine pubertiert, die andere kommt damit nicht klar und hat für sich beschlossen sich um nichts mehr zu kümmern.
Die Folge davon ist, dass der Filius natürlich das machte, was ihm Spaß bereitete, und Schule gehörte nicht dazu! Ausgerechnet jetzt! Kurz vor dem Ende der Realschule!
Als er vor in der neunten Klasse sitzengeblieben ist (auch wegen Problemen mit seiner Mutter), habe ich den Fehler gemacht und ihm die Entscheidung überlassen, ob er zu mir kommen will oder im Saarland bleibt. Das hätte ich nicht tun sollen!
Vor vier Wochen dann der Anruf seines Lehrers, das er seit den Weihnachtsferien nicht in der Schule war. Es folgte von mir ein wutentbrannter Anruf auf seinem Handy. Überraschenderweise nahm er den Anruf sogar an. Nachdem ich ihn in den Senkel gestellt hatte, gestand er unter Tränen, das er es bei seiner Mutter nicht mehr aushalten würde.
Ok. Das war jetzt einmal eine deutliche Ansage von ihm! Monatelang bekam ich auf Nachfrage immer nur zu hören, dass alles in Ordnung sei, und es mit seiner Mutter keine Probleme gab.
Er hat mich monatelang belogen, wenn ich ihn morgens fragte, ob er auf dem Weg in die Schule sei. Er hat eine Menge Fehltage angesammelt dadurch, und sein Abschluss ist in Gefahr! Super!
Ich habe jetzt die Notbremse gezogen und die Entscheidung getroffen, dass er jetzt zu mir  nach Bawü kommt. Den Abschluss muss er natürlich noch im Saarland machen. Und ich hoffe, er schafft den irgendwie.
Parallel kümmere ich mich hier darum, dass er nach den großen Ferien auf eine Schule geht. Vorzugsweise ein Berufskolleg, weil es da, im Gegensatz zum technischen Gymnasium keinen Mindestnotendurchschnitt gibt, den man haben muss um angenommen zu werden.
Natürlich sind alle Anmeldefristen abgelaufen! Mir ist ein Rätsel, warum die Fristen 5 Monate vor dem neuen Schuljahr ablaufen! Bei meinem Anruf auf dem Regierungspräsidium Karlsruhe, vier Wochen nach dem Ablauf der Frist, konnte der zuständige Sachbearbeiter schon sagen, ob es freie Plätze gibt oder nicht.
Nun gut. Der Filius ist erfasst und HINTER der Warteliste. Vielleicht hat er noch eine Chance genommen zu werden. Das hoffe ich sehr, und das ist gerade eine meiner größten Sorgen!
In zwei Wochen sind die Abschlussprüfungen in der Realschule. Deutsch und Englisch sind kein Problem, aber Mathe könnte zum Problem werden. Es bleibt spannend, die nächsten Wochen.
Die Tatsache, dass er ab Juli zu mir kommt, heißt auch, dass es für mich und meine Lebensgefährtin zu Veränderungen kommt. Wir benötigen ein Zimmer mehr, das wir hur durch Umbauarbeiten bekommen. Der Filius bekommt unser Schlafzimmer, und wir ziehen mit unserem Schlafzimmer in das dann umgebaute Gruschdelzimmer.
Wir mussten uns einen Umbau aus dem Ärmel zaubern, der eigentlich nicht geplant war, und dessen Hauptlast im Moment meine Lebensgefährtin tragen muss.
Nichts destotrotz werden in Kürze Probleme auf  mich zukommen, die ich als Nichtalleinerziehender, nicht hatte.
Ich bin arbeitstechnisch unter der Woche fast hundert Kilometer von daheim weg. Das geht ab Juli nicht mehr! Der Filius braucht jemand in seiner Nähe, der dafür sorgt, dass er in der Spur bleibt, und das möchte ich nicht meiner Lebensgefährtin aufbürden!
Bewerbungen haben bisher nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Ich hoffe, dass sich das bis dahin noch ändert. Ansonsten wird’s blöd!
Aber jetzt stehen erst einmal die letzten Wochen der Schule an. Die Abschlussprüfungen kommen als nächstes. Dann Abschlussfahrt, Abschlussfeier und dann der Umzug.
Vorher werden meine Lebensgefährtin und ich uns noch zusammen mit ihm an den Tisch setzen, um mit ihm darüber zu reden, was sich auch für ihn ab Juli verändern wird. Hier bekommt er nämlich das, was er die letzte Zeit nicht hatte: Regeln und Führung.

Frust

Dreimal den Job verloren seit 2013 und einmal im Schweinsgalopp aus einer bizarren Anstellung geflüchtet. Die berufliche Bilanz der letzten drei Jahre ist, sagen einmal, verbesserungswürdig!
In Summe habe ich in der Zeit 90 Bewerbungen geschrieben. Davon 23 Personaldienstleister, die restlichen 67 Bewerbungen gingen an Firmen direkt. Von den 23 Personaldienstleistern haben sich tatsächlich 3 bei mir gemeldet. Bei einem dieser drei kam es zum Vorstellungsgespräch beim Unternehmen. Und obwohl die Dame, die mich betreute hoch und heilig versprochen hatte, dass sie sich wieder meldet, habe ich nie wieder etwas von ihr gehört! Die restlichen 20 Haben sich gar nicht erst gemeldet, gehen aber wahrscheinlich jetzt mit meinen Daten hausieren. Viele Stellen, die von ihnen ausgeschrieben wurden, existierten auch wahrscheinlich gar nicht, und dienten nur dazu Profile zu sammeln.
Aus den 67 Bewerbungen bei Unternehmen wurden 4 Vorstellungsgespräche. Drei mündeten in einer Absage, einer hat sich nicht wieder gemeldet. („Wir melden uns auf jeden Fall bei Ihnen!“)
Bei allen Vorstellungsgesprächen ist mir eines aufgefallen:
Weder Anschreiben, noch Lebenslauf werden richtig oder überhaupt nicht gelesen!
Im Anschreiben ist meist beim 3. Satz Schluss. Der Lebenslauf wird meist nur überflogen, was im Vorstellungsgespräch zu so dämlichen Aussagen führt, wie: „Sie haben ja die letzten Jahre sehr oft das Unternehmen gewechselt!“ Im Lebenslauf stand eindeutig zu lesen, dass einer dieser „Unternehmenswechsel“ eine Umfirmierung war. Heißt: ich war nach wie vor am selben Schreibtisch!
Aber egal.
Wie die Bilanz ja zeigt, kommt es in den meisten Fällen gar nicht erst zu Vorstellungsgesprächen. Und zwar meiner Meinung nach genau aus dem oben genanntem Grund!
Bei dem Vorstellungsgespräch mit der Dame vom Personaldienstleister, fragte mich der Inhaber eines Konstruktionsbüros (der im Übrigen 30 Minuten zu spät erschienen ist!), nachdem ich ihm minutenlang erklärt habe, das ich bei einem internationalen Projekt für einen Schädelscanner den PET-Part quasi von Null auf entwickelt habe, ob ich denn überhaupt schon einmal Komponenten aus Katalogen herausgesucht hätte, die ich für die Konstruktion benötigte, wie zum Beispiel Stecker, Buchsen oder Lager. Einen Moment lang war ich hin und her gerissen, ob ich ihn nicht fragen solle, ober taub ist. Ich habe dann innerlich tief geseufzt.
Für den Rest des Gesprächs eierte er nur herum, wollte mit keiner klaren Aussage kommen. Von seinen Anforderungen her, war ich DER Mann für die Stelle! Das Gespräch wurde dann beendet. Draußen am Auto hat die Tante vom Personaldienstleister großspurig versprochen, sie rufe ihn am übernächsten Tag an und quetscht ein „der Herr Seeteufel soll kommen“ heraus. BLABLABLA!
Die Tatsache, dass sich die Dame vom Personaldienstleister nicht gemeldet hat, hat mir ja gezeigt, dass da offensichtlich kein Interesse bestand. Und ganz ehrlich: unter so einem Chef, der mit Entscheidungen nicht aus dem Quark kommt, wenn sie gefordert sind, möchte ich auch nicht arbeiten!
Ich habe dann bei einem Personaldienstleister unterschrieben, der mich über ein „soziales Netzwerk für Business-Kontakte kontaktiert hat. Einziger Vorteil: Ich kriege das gleiche Gehalt, wie vorher in der alten Firma. Entscheidender Nachteil: 400 Euro Fahrtkosten im Monat sind mein Ding! Stand im Kleingedruckten. Nun ja..
Ich fahre eine Stunde vierzig Minuten zum Arbeitgeber, an den ich „überlassen“ wurde, ein Unternehmen der Medizintechnikbranche, der gerade sein QM-System aufhübschen muss, der aber anscheinend nur wenig Notwendigkeit sieht, dies zu tun. Die Folge davon ist, dass man als Externer von acht Stunden, siebeneinhalb herumsitzt und wartet! Tagein, tagaus! Zwischendurch schreibt man seine Reminder an die Menschen, von deren Unterschrift es abhängt, ob man den nächsten Prozessschritt starten kann. Anschließend muss man, sie werden es wahrscheinlich schon ahnen, warten!
Absolut vergeudete Lebenszeit! Beruflich bringt mich das kein Mü weiter! Ein Griff ins Klo, quasi!
Dabei hatte man mich beim Vorstellungsgespräch vorgewarnt! „Der Stresslevel ist sehr hoch!“
Mmmmhhh…alles klar!

Beruflich kann man 2016 in die Tonne treten! Dementsprechend gefrustet bin ich. Zum ersten Mal in meinem Arbeitsleben habe ich fürs Arbeiten überhaupt gar keinen Bock mehr! Meine Motivation dafür wurde mir in diesem Jahr systematisch genommen.
Hinzu kommt, dass der Stellenmarkt zu 95 Prozent aus Leiharbeit besteht! Was Wunder, denn die Anzahl der Leiharbeiter hat sich seit 2002 verdreifacht! Arbeitgeber nutze dieses Mittel gerne „um Spitzen abzufangen“. Es gibt offensichtlich sehr viele „Spitzen“ in den Unternehmen, die es abzudecken gilt-
Für den Arbeitnehmer hat das natürlich nuuuuuur Vorteile! Sein Arbeitsleben ist abwechslungsreich (Klar! Alle paar Wochen/Monate wird er an ein anderes Unternehmen verliehen). Dafür sinkt das Lohnniveau!
Letztens eine Stellenanzeige eines Personaldienstleister gesehen, der einen Maschinebauingenieur sucht, und ihm 13 Euro brutto die Stunde zahlen möchte. Dafür hat man dann studiert! Um bei so einer Made zu landen.
Die Nachteile der Leiharbeit schlagen dann geballt am Ende des Arbeitslebens geballt zu. Dann nämlich, wenn die erste Rente ausgezahlt wird!

Was solls.
Genug Frust von der Seele geredet.

Professor Harald Leschs Ansichten zum Thema Bildung

Die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie wurden veröffentlicht, die deutschen Schülern immer noch ein schlechtes Zeugnis geben. Selbst einfachste Aufgaben sind ein Problem!
Prof. Harald Lesch, bekannt aus Fernsehserien wie „Lesch`s Kosmos“, „Frag den Lesch“  oder „Abenteuer Forschung“ hat in einem Interview auf Youtube zu dem Thema: “ Welt in 100 Jahren“ interessantes zum Thema Bildung gesagt.

Bildquelle: suedeutsche. de
Prof. Harald Lesch

Bildquelle:   sueddeutsche.de

Hier die Mitschrift seiner Antwort auf die Frage:
„Sind Sie auch der Meinung, dass die Naturwissenschaften im Bildungssystem eine zu geringe Rolle spielen?“

Antwort Prof. Lesch:
Das Bildunsgssystem ist eine…das ist eine gute Frage!
Also, im Bildungssystem scheint ja vieles keine Rolle mehr zu spielen, weil ja selbst bei den Fächern, die mit unglaublich großem Aufwand betrieben werden…
Ich bedaure eigentlich im Wesentlichen das zu wenig Kunst, Musik und Sport unterrichtet wird! Weil das sind die wesentlichen Fächer in der Schule, die die Kreativität der Kinder so stark beeinflussen, wie nix sonst! Kinder, die sportlich sind, die Musik machen, die Lust haben Theater zu spielen, was zu Malen, bildende Kunst, das Gehirne sein, die in Zukunft auf Fragen, die noch keiner weiß heute, entsprechend reagieren können.
Stattdessen kerkern wir sie ein! Wir kerkern sie in Vokabeln ein, in irgendwelchen mathematischen Übungsaufgaben, die teilweise von einer Perversion sind, das hätte ich gar nicht für möglich gehalten. Wir kerkern sie ein in allem möglichen Kram, aber wir bereiten sie nicht auf das Leben vor! Wir unterrichten zum Beispiel Mathematik  nicht als praktisches Fach! Praktisch wäre, zum Beispiel so, das die Kinder so schnell wie möglich mit Leuten zusammen kommen, die jeden Tag Mathematik um sich haben. Grundrechenarten, Dreisatz, Flächenberechnung. Ganz einfache Dinge, um zu sehen, „Wofür braucht man das eigentlich?“ Und dann unterrichtet man Mathematik richtig! Als ganz starkes praktisches Fach! Aber nicht als so total abstraktes Zeug mit irgendwelchen Mengen. Davon wird man nie wieder in seinem Leben etwas hören. Mit irgendwelcher Algebra, die man nie wieder braucht et cetera p.p.
Und bei den Naturwissenschaften ist es genauso!
Naturwissenschaften ist Empirie! Das sind Erfahrungswissenschaften! Nur was für Erfahrungen machen denn Kinder mit Naturwissenschaften? Bei der Physik ist es so, es ist ein Anhängsel der Mathematik. Das heißt, es ist einfach nur so ein entzündeter Appendix, und der müsste eigentlich wegoperiert werden.  Es werden irgendwelche blödsinnigen Übungsaufgaben gerechnet. Es wird eben NICHT Natur erfahren. Es wird nicht raus gegangen. Es wird ein Fach unterrichtet. Man müsste ein Fach „Natur“ unterrichten, also Physik, Chemie, Biologie, alles zusammen. Die Frage zu stellen: „Warum kann ein Baum so groß werden? Wie macht der denn das?“  Wir gucken mal, wie hoch wir eine Wassersäule pumpen können, gegen die Erdschwerkraft. Zehn Meter! Tja, aber die Bäume sind sechsundzwanzg Meter hoch! Wie kriegen die denn das Wasser da oben hin? Banale Dinge! Wieso sind Blätter grün? Also wirklich raus, raus, raus! Raus und rein und runter und weg und hin und so weiter. Aber stattdessen sitzen die Kinder in den G8-Zuchthäusern und werden da durchgetrieben! Also ich finde das aberwitzig.
Alle sind mies drauf! Die im Ministerium sind mies drauf, weil sie wissen sie haben Mist gemacht. Die Lehrer sind mies drauf, weil sie sich fragen „verdammt noch mal, um was soll ich mich denn noch alles kümmern?“. Die Schüler haben kein Bock. Die Eltern meistens auch nicht. Also, das ist so vermasselt, dadurch das man etwas tut, von dem ich gedacht habe: „Also das kann nicht wahr sein!“
Man komprimiert Zeit! Man versucht es tatsächlich! G8, Bachelor und Master sind Zeitkompressionsverfahren. Obwohl alle wissen, wir werden immer älter! Wir werden immer länger arbeiten. Wir schicken Kinder schon in den Kinderhort, damit sie dort Chinesisch und Spanisch lernen., damit sie dann im Kindergarten mit Französisch und Englisch weitermachen können, damit sie dann im ersten Schuljahr einfache Differentialgleichungen lösen können, und dann nach G8…was weiß ich, es ist ja jetzt auch übertrieben…aber, wir lassen sie nicht mehr spielen! Wir lassen sie nicht mehr Kinder sein. Das ist alles total organisiert. Die Kinder gehen in die Kindergärten, und die alten gehen in die Altersheime!
Das heißt, wichtige Zeiten des Werdens und Vergehens finden in dieser Gesellschaft nur am Rand statt! Dazwischen ist der große Block des Konsums. Das ist die Gegenwart, die unmittelbare Gegenwart. „Augenblick, verweile doch! Du bist so schön!“ Zja, und mit diesem Zusammenhang, mit dieser Zeitkompressionstechnik, beschäftigen wir uns jetzt eigentlich seit Ende des Zweiten Weltkrieges! Time ist Money, die berühmt-berüchtigten Geschichten, und das heißt, wir haben nicht nur ein Problem bei den Naturwissenschaften in der Schule! Wir haben ein Problem, weshalb wir als Erwachsene nicht unseren Kindern sagen „Bleibt Kinder!“. Jetzt machen wir erstmal das! Und wir machen kein G8 oder G9, wir machen ein G10! Wir machen ein G11, vielleicht! Weil nämlich die Sechzehnjährigen, wenn sie alle in der Schule gewesen sind, ein Jahr, komplett, ohne Ausnahme, …und da darf sich kein von freikaufen, oder sonst irgendwie… alle Sechzehnjährigen machen ein soziales Jahr! Männlein, wie Weiblein! Alle! Und danach gehen sie wieder in die Schule. Dann wissen sie, wie es in unserer Republik aussieht, was sie dieser Republik zu verdanken haben, wem sie helfen können. Und danach können sie überlegen, ob sie nicht besser einen handwerklichen Beruf tatsächlich ergreifen. Das Land braucht dringend gute Handwerker! Auf allen Ebenen! Wir brauchen nicht mehr so viel Sozialforscher. Da haben wir schon wirklich genug! Wir haben unglaublich viele Geistes- und Sozialwissenschaftler, aber wir haben einfach zu wenig Leute die Hand anlegen an dieses Land! Und wir vermasseln das, weil wir eine Überakademisierung erzeugen, die ja teilweise von der OECD noch vorgetrieben wird, und wir lassen die Leute einfach viel zu sehr im regen stehen mit all unseren völlig unausgegorenen Programmen! Und da ist die Vernachlässigung von Naturwissenschaften nur eins davon!

Das vollsständige Interview gibt es hier:

 

Unbeschreiblich! Unfassbar! Das glaubt mir keiner!

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Zuerst war ich ja froh ohne Zeit der Arbeitslosigkeit auszukommen, und direkt eine Anschlussbeschäftigung zu finden.
Bei der Betriebsbegehung mit dem neuen Chef und Firmeninhaber, gab es einen ersten Vorgeschmack auf das, was mich erwartet. Da dachte ich, naja, kleine Firma und der Cheffe will ja „das ich Zug in seinen Laden“ bringe. Für mich als ausgebildeten KVP-Trainer ohnehin kein Problem.
Ich kam, nachdem vier Wochen klar war, dass ich komme, in die Firma und fand außer einem leeren Schreibtisch nichts vor. Blöd, wenn man Konstrukteur ist. Chef noch eine Woche im Skiurlaub, keiner da, der in der Zeit seiner Abwesenheit die Entscheidungen trifft. Jeden Tag um halb zehn wurde er von der Sekretärin angerufen, um von ihm die Entscheidungen in gewissen Fragen zu holen. Eine Entscheidung über die Ausstattung meines Arbeitsplatzes wurde hierbei nicht getroffen, zumal ohnehin noch kein 3D-CAD-Programm vorhanden war. Einer der ersten Reibungspunkte, denn er investiert in seine Firma nach der Devise: „Egal ob es was taugt, Hauptsache es ist billig!“
Und das sieht man auch. In seiner Werkstatt, der eigentlichen Produktion, findet man Ständerbohrmaschinen, nein, nicht mit Poti zum Einstellen der Drehzahl, sondern man muss oben am Getriebe die Riemen auf andere Riemenscheiben legen, um die Drehzahl dem Bohrer anzupassen. Das ist natürlich nur begrenzt möglich.
Akkuschrauber findet man von Aldi, Lidl und Penny! Wenn man Glück hat, kann man 10 Spax in eine Transportkiste schrauben, bevor der Akku die weiße Fahne schwenkt!
So zieht es sich durch den ganzen Betrieb. Der Service hat kein eigenes Werkzeug, sondern muss sich bei jeder Auslieferung zum Kunden oder bei Serviceeinsätzen sein Werkzeug aus dem Sammelsurium in der Werkstatt zusammensuchen!
Cheffe selber ist noch ein Firmeninhaber vom alten Schlag! Er hat das ganze Knowhow, keiner kann es besser als er, keiner kann es besser regeln. SO hat er auch keinen Vertreter, der ihn vertritt, wenn er nicht im Haus ist. Nicht auszudenken, was passiert, sollte er einmal einen Unfall oder eine Krankheit haben, die ihn für mehrere Wochen ausknockt, und er nicht die Firma leiten können. Es würde alles den Bach herunter gehen.
Seit Jahren wurschtelt er mit einem Billig-CAD-Programm herum, die China-Version des AutoCAD. Die Zeichnungen sind eine einzige Katastrophe! Jetzt will er auf 3D-CAD umstellen und ist total begeistert von einem Programm dessen Namen ich hier nicht nennen kann, dass aber bei ziemlich jedem Konstrukteur Grausen verursacht! (Ältere Versionen der Software werfen sie einem bei Pearl für 30 Euro hinterher!)Er ist davon unheimlich begeistert. „Und das kostet nur tausend Euro!“ erzählt er stolz. Ich versuche ihm dieses Programm auszureden, weil es ein riesengroßer Scheiß ist. Aber der Preis ist für ihn das alleinige Argument! Die Kosten, die dieses Programm im Anschluss verursacht, weil es einfach in allen Aktionen langsamer ist als die gängigen Programme, die sieht er nicht.
Aber wie lautet sein Spruch? „Zeit ist nicht Geld!“ oder „Die Leute sind ja sowieso da!“
Zwei dumme Aussagen von jemandem, der wahrscheinlich noch nie eine vernünftige Kalkulation erstellt hat. Obwohl der Laden irgendwie ja laufen muss, denn es gibt ihn schon zwanzig Jahre. Die Arbeitsweise allerdings erinnert an die eines Hobbykellers, einer Bastelstube. Tagtäglich sieht man Beispiele dafür, dass die Mitarbeiter hier versuchen mit den lausigen Mitteln, die man ihnen zur Verfügung stellt, eine halbwegs anständige Qualität sicherzustellen. Schubladen und Schäfer-Kisten sind, vom Schraubensortiment einmal abgesehen, ein einziges Durcheinander. Einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit verbringen die Mitarbeiter mit Suchen!
Ich bin jetzt die zweite Woche da und stelle fest, noch nie in meinem Arbeitsleben musste ich, um zu einem halbwegs brauchbaren Ergebnis zu kommen, so rumpfuschen! Es macht einfach keinen Spaß!
Noch ein Kracher, von dem ich diese Woche Zeuge war! Kein Scheiß, das ist nicht erfunden!
Kollege soll Gewinde in Edelstahlteile schneiden. Er spannt den Gewindeschneider in die Bohrmaschine, langsamste Drehzahl mit 120 1/min. Keine Gewindeschneidfunktion an dem alten Billigding. Er setzt an, und in dem Moment, in dem der Gewindeschneider greift, schaltet er die Bohrmaschine MIT DER STIRN !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!) aus!
Ich musste anschließend einen Moment vor die Tür gehen, und etwas frische Luft atmen!
Heute ist ihm bei der Aktion der Gewindeschneider abgebrochen! Seine Reste stecken noch im Bauteil!
Diese Firma ist eine Großbaustelle, was Optimierung von Prozessen und Qualität angeht. Dumm nur, das ich ihm nicht dabei helfen kann. Denn erstens, schätze ich ihn so ein, das er keinen Rat annimmt, und zweitens, ist mein Neues Ziel für die erste Hälfte 2016 schnellstens einen anderen Job zu finden!

To be continued!

Ramstein ´88

 

Foto, aufgenommen ungefähr von der Stelle, an dre wir uns befanden.
Foto, aufgenommen ungefähr von der Stelle, an der wir uns befanden.

Es war neblig an dem Morgen. Und kühl.
Es war der 28. August, einen Tag nach meinem 17. Geburtstag. Mein Onkel und ich fuhren zusammen nach Ramstein.
Ich glaube, es war neun, als wir endlich unser Auto auf dem Parkplatz abstellten, und wir waren längst nicht die ersten, und noch lange nicht die letzten!
Als wir so im Nebel über das Gelände schlenderten, und uns die ausgestellten Flugzeuge aus der Nähe betrachteten, hatten wir noch keine Zuversicht, dass es an dem Tag überhaupt irgendeine Flugvorführung geben würde. Der Airforce-Metereologe versprach ein Aufreißen der Nebeldecke für 11 Uhr.
Und tatsächlich! Fast um Punkt 11 war der Nebel weg, die Sonne schien und es wurde heiß.

Wenn man mitten im Kalten Krieg geboren wird, in einem Landstrich, der Umgeben ist von zig Luftwaffenstützpunkten und zudem noch in einem Tieffluggebiet aufwächst, dann entwickelt man wohl zwangsläufig eine Faszination für Militärjets!
An Sommertagen ging der Tiefflugbetrieb in der Regel gegen halb acht los, wenn der erste Jet in 150 Metern Höhe über das Haus jagte. Die Hausfrauen wussten, wenn um die Uhrzeit schon die Tiefflieger da sind, kann man beruhigt die Wäsche auf die Leine hängen, denn das Wetter würde hervorragend werden! War tatsächlich so!
Damals durften die Jets noch richtig tief runter, und man konnte alle Einzelheiten sehen. Manch einer der Piloten hat es mit dem Höhenlimit nicht so genau genommen und hat die Mindestflughöhe hinundwieder einmal, „aus Versehen“ unterschritten.
Ich kann mich da an einen Starfighter erinnern, der so tief über unser Haus flog, das wir dachten, jetzt ist der Schornstein weg!
Ich fand die Zeit geil! Der Lärm der Jets hat mich nicht gestört und stört mich heute immer noch nicht, wenn ein Tiefflieger mal über mich hinwegfliegt. (Hier im Nord-Schwarzwald ist das aber nur selten der Fall).
Ich habe damals am Geräusch erkannt, welches Flugzeugmuster da im Anflug ist und kannte alle Heckkennungen der einzelnen Stützpunkte.
Jetzt sollte ich sie also ganz aus der Nähe sehen, hören, riechen.
Der Tag war großartig! Die Flugvorführungen waren ausnahmslos der Hammer!
So nah, war ich noch nie einem Miitärjet gekommen. Die Zuschauer konnten vor, bis fast zum Taxiway, der parallel zur Startbahn verlief. Ich kann mich erinnern, dass am Ende der Startbahn eine deutsche F-4 Phantom zum Start bereit stand. Der Pilot gab Vollschub, zündete den Nachbrenner und startete. Der Lärm war unbeschreiblich. Ein Geräusch das man mehr fühlte, als das man es hörte.
Als das Flugzeug zu rollen begann fiel mir am Heck noch die auflackierte AU-Plakette auf. Deutsche Gründlichkeit!
Am Nachmittag dann der Höhepunkt, die „Frecce Tricolori“, die Kunstflugstaffel der italienischen Luftwaffe. Als sie zum Start rollten, schlenderten wir durch die Besuchermassen, die zum Teil in Badekleidung auf Decken auf der Wiese lagen. Es war sehr warm an dem Tag. Wir kamen an einem Kühl-LKW vorbei, an dem sich ein Verkaufsstand für Eis befand. Wir beschlossen kurz uns anzustellen, aber im Hintergrund hob bereits die Staffel ab und so beschlossen wir, weiterzugehen und uns zuerst die Vorführung anzusehen, um danach wieder zu dem Stand zurückzukehren und uns ein Eis zu gönnen. Immer dem Showprogramm in der Luft folgend gingen wir noch ein Stück weiter, um dann stehenzubleiben, und uns vollends auf die Kunstflugstaffel zu konzentrieren, deren Vorführung sich dem „grande finale“ näherte.
Die Staffel flog senkrecht nach oben, teilte sich in 2 Gruppen und einen Solo-Flieger, der rechtwinklig zu den beiden Gruppen seinen Looping flog. Die Flugbahnen aller sollten sich am Ende des Loopings kreuzen. Die Maschinen näherten sich einander, dann war im Düsenlärm ein metallisches Geräusch zu hören und der Himmel verwandelte sich in einen Feuerball. Der Flieger des Solopiloten trudelte brennend zu Boden, die beiden Flugzeuge, mit denen er kollidierte, ebenfalls.
Das alles sah ich gleichzeitig, so kam es mir zumindest vor, obwohl ich den Kopf etwas drehen musste, um die beiden anderen Jets zu sehen.
der Soloflieger schlug zwischen Taxiway und Startbahn auf und schlitterte durch die Zuschauer.
Das spielte sich alles innerhalb Sekunden ab, und ich hörte währenddessen meinen Onkel noch rufen: „Ande, bleib stehen!“, weil er glaubte, ich würde wie andere um uns herum panisch wegrennen. Ich blieb aber gebückt und wie angewurzelt stehen, als es passierte.
„Der is in die Zuschauer!“ sage ich. „Scheiße!“
Rundherum Geschrei und Chaos.
Minutenlang blieben wir wie festgenagelt stehen und starrten auf die sich verflüchtigende Rauchwolke. Ein Löschfahrzeug war bereits zur Stelle und legte einen Schaumteppich. Später wird bei der Untersuchung des Unfalls herauskommen, das auch durch diesen Schaumteppich am Boden liegende Verletzte ums Leben kamen.
„Lass uns gehen.“ sagte dann mein Onkel, während der erste Blackhawk-Rettungshubschrauber einschwebte. OHne Auswahl der Art und Schwere der Verletzungen wurde der Hubschrauber vollgeladen, und er hob wieder ab. Eine Szene, die mich mehr an die Evakuierung unter feinlichem Beschuss, als an Rettung von Verletzten erinnerte.
Wir gingen in Richtung Haupttor, wo auf einer Wiese neben der Zufahrt das Auto stand.
Auf dem Weg dorthin kamen uns massenhaft Menschen ENTGEGEN, die katastrophengeil sich das Unheil an der Absturzstelle ansehen wollten.
Ein Pick-Up mit Verletzten bahnte sich einen Weg an uns vorbei. Allesamt hatten Verbrennungen.
Irgendwann kamen wir ans Auto. An ein Wegfahren war allerdings nicht zu denken, denn alles was irgendwie zum Transport von Verletzten taugte, hatte Vorrang. Pick-Ups, Kleinbusse, ein Linienbus, voll mit Verletzten. Rettungshubschrauber kamen und flogen wieder davon.
Als wir da so im brüllendheißen Auto saßen und dem Treiben zusahen, wurde uns bewusst, dass wir uns kurz vor dem Absturz noch an genau der Stelle aufhielten, wo das Flugzeug durch die Zuschauer schlitterte
Irgendwann begann man damit die Zuschauer heimfahren zu lassen. Aber es staute sich noch bis zur Autobahn.
Als es wir dann auf der A62 nach Hause rasten, wurde mir bewusst, das sehr bald die heute-Nachrichten im Fernsehen laufen würden, und ich dachte mit Schrecken daran, dass meine Mutter den Bericht über das Unglück, und der würde auf jeden Fall kommen, sah.
Sie war gegen den Besuch des Flugtages und prophezeite ein Unglück.
Um viertel vor sieben abends kamen wir Zuhause an.
Als sie mir die Tür öffnete, fragte sie natürlich gleich, ob „keiner abgestürzt“ sei.‘
„Doch“, antwortete ich, „drei Stück sogar“
„Mach keinen Quatsch!“ meinte sie.
„Habt ihr noch keine Nachrichten gesehen? Einer ist sogar in die Zuschauer!“ sagte ich.
Wenige Minuten später saßen wir vor dem Fernseher und sahen uns den Bericht an.
Ziemlich fassungslos!
Beim Ansehen der Bilder wurde mir bewusst, wie knapp wir an dem Tag dem Tod entkommen sind. Vielleicht um 5 Minuten waren wir dem Tod von der Schippe gesprungen.

Es waren keine schönen Bilder, die von diesem Tag in Erinnerung geblieben sind, aber sie verfolgten mich nie, und ich hatte auch nie Alpträume deswegen. Ich zucke auch nicht zusammen, wenn ein Tiefflieger über mich fliegt. Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts war ich Augenzeuge zweier Abstürze im Saarland und in Rheinland-Pfalz.
Ich war seit Ramstein auf mehreren Airshows gewesen und bin nachwievor fasziniert davon.
Für das nächste Jahr ist eine Reise nach England geplant, zu einer großen Airshow.

 

Rennradfahrer vs. Autofahrer

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Ich bin früher viel Rad gefahren. Vornehmlich Mountainbike, weil das bei uns im Saarland so super möglich war, und auch, weil es in St. Wendel die Weltcup-Strecke, sowie die MTB-Marathonstrecke direkt vor der Haustür gab.
Ein- oder zweimal im Jahr bin ich einen MTB-Marathon gefahren. Ich war topfit zu der Zeit!

Als ich vor sechs Jahren mit der Technikerschule begann, ließ es mit dem Radfahren schlagartig nach. Quasi auf Null zurückgefahren.
Der geballte Stress von nebenberuflicher Technikerschule, der Stress der sich auf das Ende zubewegende Ehe, und was da alles noch so auflief, führten prompt dazu, dass ich mich in die Risikogruppe der Herz-Kreislaufkranken katapultierte. Meine Hausärztin legte mir dringend nahe dagegen etwas zu tun.

Ganz klar: Rad fahren! Sinnvollerweise wieder MTB.
Jetzt wohne ich allerdings nicht lange genug hier im Nord-Schwarzwald, um mich auf den Waldwegen hier auszukennen. Infolgedessen stand ich sehr oft, sehr planlos im vermeintlichen Nirgendwo. So macht das natürlich keinen Spaß!

Also, Strategiewechsel!

Als ich damals, im Zuge der Trennung von meiner Frau, meine Habseeligkeiten aus dem gemeinsamen Haus räumte, wanderte mein Rennrad (gefühlt 30 Jahre alt, Rahmenschaltung, rissiger Lack) auf den Wertstoffhof. Ein bisschen Wehmut war da schon dabei, aber das Ding war so alt, das ich mich nicht mehr sicher gefühlt habe es zu benutzen! Man wusste eben nicht, wie es unter den Lack aussah, und ich hatte keine Lust in einer Abfahrt mit Tempo 70 wegen Rahmenbruchs auf dem Asphalt zu landen!
Regelmäßig jammerte ich dem Rennradfahren nach! Immer wieder durchforstete ich die Internetseiten diverser Radhändler.

Im Frühjahr dann war die Gelegenheit günstig. Ich hatte das Geld zusammen und fand ein Merida Rennrad, das meinen Vorstellungen entsprach.
Und seitdem fahre ich etwa zweimal die Woche  meine Runden „von Ortsschild zu Ortsschild“. Man kann sich einfach weniger verfahren.

Aber das Rennradfahren hat auch seine Schattenseiten!
Die Straßen im Enzkreis  sind zum Teil in einem bedauernswerten Zustand!
Ich dachte immer, im armen Saarland wären die Straßen schlecht! Aber ganz ehrlich, im Saarland gibt es Feldwege, die sehen besser aus!
Mindestens einmal bei meinen Touren, fahre ich in irgendein Loch oder über irgendein Flickstück, das es mir die Halswirbelsäule aus der Schädeldecke drückt!
Letztens bin ich durchs Holzbachtal gefahren, und habe mich auf diese kilometerlange Abfahrt gefreut, weil der Weg dorthin relativ kraftraubend war. Pustekuchen! Nicht schneller als 25 km/h konnte ich diese eigentlich schöne Strecke fahren, weil die Straße dort in einem dermaßen erbärmlichen Zustand war, das es einfach zu gefährlich war schneller zu fahren. Am Ende war ich total verkrampft und hatte Rücken Nacken und Kopf!

Die schlechten Straßen sind das Eine, schwachköpfige Autofahrer das Andere! Da wird man trotz Gegenverkehr überholt, das es einen fast in die Leitplanke drückt.Da wird so dicht an einem vorbeigefahren, das man das Gefühl hat der Außenspiegel hatte Kontakt mit den Haaren an den Armen. Man wird geschnitten, es wird schnell noch vor der Kreuzung an einem versucht vorbeizufahren um rechts abzubiegen, und muss sich dann anmotzen lassen, weil man geradeaus fahren will und sich entsprechend einordnet.

Autofahrer (plärrend): Was war denn des jetzt?“
Ich: „Ich fahre gradaus, Depp. Oder hann ich Handzeiche genn zum Abbieje? Hasch es so eilich?“
Autofahrer: „Des kann net sei so ebbes.“
Ich: „Fahr weida!“

War übrigens der Klassiker: Audi-SUV mit Mitfünfziger, der nicht nur einen kleinen Schwanz zu haben scheint, sondern offensichtlich auch der Herrsche der Welt ist.

Die letzte wirklich brenzlige Situation gab es in dem Ort Pfaffenrot. Endfünzigerin mit Beifahrerin im Mercedes mit Calwer Kennzeichen möchte mich in der Ortsdurchfahrt „gschwind“ überholen, merkt aber mangels Ortskenntnis zu spät das die Vorfahrtsstraße nach Links abknickt. Ich war gerade dabei diesem Knick zu folgen, da schießt die dämliche Kuh plötzlich vor mir vorbei und rettet sich in die „Auslaufzone“ der abzweigenden Kreuzstraße. Solche Situationen, ausgelöst durch eine unbeschreibliche Dummheit, lösen bei mir einen cholerischen Anfall aus! Ich werde zum Tier und haue dabei auch schon einmal mit der Hand auf eine Motorhaube oder ein Autodach!

Sie hat ganz ungläubig geguckt, als da plötzlich ein Rennradfahrer an ihrem Fenster auftaucht und „Sa mohl hasch du se noch all? Bisch du allähn of der Stroß? So domm kamma gar net werre, wie du bischd!“
Nicht mal ein Meter trennte mich  vor einem Unfall!

Ganz toll finde ich auch die Vollidioten, die glauben während des Autofahrens ihr dämliches Smartphone nutzen zu müssen, um mal schnell noch eine WhatsApp-Nachricht zu lesen oder zu schreiben. Diese Leute möchte ich fragen:

„Sag mal, seid ihr bescheuert???“

In meiner alten saarländischen Heimat hat eine Frau vor ein paar Wochen zwei Rennradfahrer abgeschossen, einer ist gestorben. Es stellte sich heraus, dass sie während der Autofahrt ihr Handy bedient hat.

Ich achte stets darauf so nah am rechten Fahrbahnrand zu fahren, wie möglich. Aufgrund der miserablen Straßenzustände ist das aber nicht immer möglich. In der StVO wurde der Passus „ Radfahrer müssen „äußerst rechts“ fahren auch vor Jahren schon gestrichen! Radfahrer sollen aber einen Abstand zum Fahrbahnrand halten. Der Bundesgerichtshof hat ihn einmal mit ca. 80 cm angegeben!

Und ihr, liebe Autofahrer habt beim Überholen einen Radfahrers 1,50 m Abstand zu halten!

Klar, Radfahrer nerven. Sie bremsen den Fluss übermotorisierter und chronisch unterbesetzter Statussymbole und Penisprothesen. Und grundsätzlich hat der Autofahrer ja keine Zeit und ist in Eile. Also muss er zwingend schnellstmöglich an dem Depp auf seinem Drahtesel vorbei. Koste es, was es wolle! Soll der doch aufpassen, dass er nicht überrollt wird.

Aber ein bisschen Rücksicht kann doch nicht zu viel verlangt sein!

Ich bin natürlich auch Autofahrer. Was aber das Verhältnis zu Radfahrern angeht, so bin ich der Meinung, dass man als der Stärkere (Autofahrer!) auf den Schwächeren ( das ist der Depp auf dem Drahtesel!) zu achten hat!
Ein Radfahrer hat keine Knautschzone, keinen Gurt und keinen Airbag. Bei einem Unfall nimmt sein Körper auf jeden Fall Schaden! Womöglich stirbt er dabei!
Deswegen überhole ich NICHT, wenn Gegenverkehr kommt, oder die Straßenverhältnisse es aus sonst einem Grund nicht zulassen, sondern warte auf eine passende Gelegenheit.

Radfahrer sind  nach den Fußgängern die schwächsten Teilnehmer am Straßenverkehr. Und dementsprechend haben wir Autofahrer uns zu verhalten!

Mein Gesundheitsproblem hat sich durch das Radeln innerhalb weniger Wochen in Luft aufgelöst. Wie schön!